Transformative Mediation - Mediatives Handeln

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"Die größte Entscheidung Deines Lebens liegt darin, dass Du dein Leben ändern kannst, indem Du Deine Geisteshaltung änderst."
(Albert Schweitzer)

Eine solche Änderung ist insbesondere in der Transformativen Mediation und in einem auf ihr basierenden Mediativem Handeln möglich. 

Im Mediationsverständnis des INSTITUTS FÜR TRANSFORMATIVE MEDIATION (ITM) ist die gewaltfreie Kommunikation nach Marshall Rosenberg (GFK) integriert.

 

Innerhalb der Mediation gibt es vor allem zwei Leitbilder:

I. Das Harvard-Konzept

Das so genannte Harvard-Konzept wurde entwickelt von dem Harvard-Rechtsprofessor Roger FISHER, dem Berater William URY und dem Dozenten Bruce PATTON. Es ist in der Praxis vorherrschend. Es geht um ein an den Interessen der Teilnehmer orientiertes Verhandeln mit dem Fokus auf der Problemlösung, geleitet von folgenden Prinzipien:
  • Trenne Sache und Person
  • Konzentriere Dich auf Interessen, nicht auf Positionen
  • Entwickle Optionen zum beiderseitigen Vorteil
  • Bewerte Optionen nach objektiven Kriterien.
Ziel des Harvard-Konzeptes ist es, Verhandlungstechniken zu vermitteln, die zu Verhandlungsergebnissen führen, die für alle Beteiligten einen Mehrwert darstellen. Dieses Konzept wurde unter dem Buchtitel "Getting To Yes" veröffentlicht und von amerikanischen Mediatoren für die Mediation übernommen. Das "Getting To Yes" wurde in der deutschen Übersetzung mit "Das Harvard-Konzept" wiedergegeben.
Im Ganzen gesehen geht es darum, den Konflikt durch möglichst sachliche Verhandlungen und Bewertungen zu lösen. Der Mensch wird im Harvard-Konzept als Problem-Faktor einbezogen und nicht so sehr als Individuum. Das führt im Ergebnis dazu, dass die volle Kraft der Mediation nicht erreicht wird. Ihre volle Kraft wird verwirklicht im Leitbild der Transformativen Mediation.

 

II. Transformative Mediation

"Wir selbst müssen der Wandel sein, den wir in der Welt sehen wollen."
(Mahatma Gandhi)
 
 
Die Transformative Mediation stellt den Menschen tiefgreifender in den Mittelpunkt.
Dieser Ansatz wurde von dem Professor für alternative Streitbeilegung, Robert BUSH und dem Professor für Erwachsenenbildung und Organisationsentwicklung, Joseph FOLGER in ihrem Buch "The promise of Mediation", in deutscher Übersetzung "Konflikt-Mediation und Transformation", formuliert. Seine Zielgrößen sind.
 
EMPOWERMENT bedeutet, einen Menschen im Konflikt zu bestärken und zu bekräftigen zu (noch) mehr Selbstreflexion, Selbst-Erkenntnis, Selbst-Klarheit, Selbst-Bewusstsein, Selbst-Vertrauen, Selbstausdruck und Ich-Stabilität.

Von da aus ist auch Recognition möglich:

RECOGNITION bedeutet, dass wir den eigenen Anteil am Konflikt erkennen und uns Andersdenkenden öffnen und ihre Motivation, Situation und Sichtweise gelten lassen können.


BUSH / FOLGER kritisieren in Übereinstimmung mit dem ITM am Harvard-Konzept u.a., dass eine nur verhandlungs- und lösungsorientierte Mediation dem Prinzip der Autonomie des Menschen widerspricht. Der Mensch kann sich auch an Ideen, Bedürfnissen, Werten orientieren, die über das Harvard-Konzept hinausgehen. Und: das Harvard-Konzept greift zu kurz, weil verhandlungs- und lösungsorientierte Mediatoren die speziellen Besonderheiten des Konfliktes nicht sehen und den Parteien kein tieferes Verstehen ihres Konfliktes ermöglichen. Individuellere Lösungschancen bleiben ungenutzt.
 
Die Transformative-Mediation berücksichtigt in besonderer Weise, dass sich Menschen inmitten eines Konfliktes transformieren, also wandeln können. Ein individuelles ethisches Wachstum und ein soziales Lernen können geschehen. Mithilfe der Transformativen Mediation können wir beziehungs-weise(r) werden.

Das ITM stellt in Praxis und Ausbildung den transformativen Ansatz zentral und entwickelt ihn als Menschenbild weiter.
 
Übereinstimmend mit BUSH / FOLGER sieht das ITM die Mediation als eine Vermittlung in Konflikten, deren Lösungsinhalte einzig und allein die Parteien einzig und allein selbst bestimmen. BUSH / FOLGER und das ITM sehen die Mediation als einen Prozess, der das Potential in sich birgt, eine neue Vision sozialer Interaktion zu formulieren und zu verwirklichen.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Auffassung, welcher Weg zu diesen Zielen führt. Das ITM bietet eine verfahrensgesteuerte Transformative Mediation an.

BUSH / FOLGER steuern weder, wie die Parteien das Gespräch führen, noch worüber sie reden oder wohin das Gespräch führen soll. Sie verfolgen "keine versteckte Tagesordnung, um grundlegende Beziehungsthemen und ähnliches anzugehen. Der Mediator folgt, die Parteien führen."
Wenn BUSH / FOLGER intervenieren, dann sehr zurückhaltend und auf folgende Weise:
 
  • durch Reflexion:
    Damit gemeint ist ein empathisches Paraphrasieren, das heisst, sie gehen über die Wortwahl der Teilnehmer hinaus, um dadurch stärker zum Vorschein zu bringen, was jeder Teilnehmer dem anderen vermitteln will.
  • durch Zusammenfassung:
    Sie strukturieren und verdichten das, was die Teilnehmer sagen, zu Themen der Diskussion.
  • durch Check-In:
    Das heisst, für die Partei durch Fragen für die Partei "herauszufinden, was sie tun möchte." 

Mit dieser Vorgehensweise wollen BUSH / FOLGER eine Empowerment- Verschiebung der Parteien fördern. Damit ist gemeint, dass diese aus einer ängstlichen, beunruhigten, verwirrten Selbstschwäche in mehr Selbstvertrauen, Klarheit und Entschlussfreudigkeit kommen. Zugleich unterstützen sie mit dieser Vorgehensweise eine Recognition-Veränderung der Parteien. Damit ist gemeint, dass diese aus einer abwehrenden, misstrauischen, oft feindseligen Selbstbezogenheit dahin kommen, die Lage des Anderen offener, verständnisvoller und selbstkritischer zu sehen.

Nach Auffassung des ITM sind Empowerment und Recognition schneller und persönlich tiefergehend erfahrbar, wenn der Mediator auf folgende Weise interveniert:
 
  • Er wendet sämtliche Kommunikationstechniken empathisch, authentisch, wertschätzend und Systemisches berücksichtigend an und stellt sie den Teilnehmern eventuell auch expressis verbis vor Augen. Insbesondere zeigt er durch ein empathisches, authentisches, wertschätzendes und systemische Zusammenhänge berücksichtigendes Fragen jedem Teilnehmer eine Zuwendung, die einen Vertrauensaufbau fördert und zu mehr Selbstklärung führt. Dabei setzt er auch Fragen zur Auflösung von Blockaden ein. Der Andere kann Antworten geben, die sein wirkliches, wahres Gefühl wiedergeben ohne emotional überlastet zu sein.
  • Er visualisiert den Verfahrensablauf und lösungs- und transformationsrelevante Beiträge der Teilnehmer und fördert dadurch die Verständlichkeit und Anerkennung dieser Beiträge.
  • Er steuert das Verfahren empathisch, authentisch, wertschätzend. Dazu kann auch ein Einzelgespräch beitragen, das in der Vorgehensweise von Bush/Folger nur stattfinden kann, wenn die Teilnehmer selbst auf diese Idee kommen.
  • Er stellt ethische Lebensordnungen und Lebensweisheiten vor Augen, ohne dabei in Frage zu stellen, dass die Parteien die entscheidungsbefugten Experten ihrer Sache sind.
     
Warum sollte ein transformativer Mediator Menschen etwas vorenthalten, das die Summe lebenserhaltender und –fördernder Erfahrungen beinhaltet und somit weise ist?
Es gibt nicht nur einen einzigen Weg in die Transformation.
Beide Auffassungen, die von BUSH / FOLGER als auch die des ITM, wie Menschen und ihre Konflikt-Interaktionen sich wandeln können, bleiben innerhalb des Begriffs der Transformativen Mediation, wenn auch in unterschiedlicher Auffassung zum formell-strukturellen Vorgehen. Die Struktur der vier Prinzipien des Harvard-Konzepts hat sich für die Transformative Mediation in der Praxis bewährt.
Das wird auch in der DVD "Kommunikation – eine Fremdsprache? Konflikte zum Wandel nutzen. Ein Beispiel Transformativer Mediation" (siehe AUTOR) gezeigt.
 
Wenn der Mediator die Teilnehmer aktiver unterstützt als es BUSH / FOLGER tun, ihre Gefühle und Bedürfnisse über ihre Gedanken, Vorstellungen und Ziele hinaus auszudrücken und ineinander zuschauen, hat das eine verwandelnde Kraft. Die Teilnehmer kommen nicht immer aus sich selbst heraus oder nur unter vorherigen Verletzungen mit der Gefahr des Abbruchs der Mediation in ihre wirklichen Gefühle und Bedürfnisse. Ein Mediator, der empathisch steuert und empathisch in die Gefühls- und Bedürfniswelt hineinfragt und damit persönlicher interveniert, unterstützt tiefergehender und klarer und für die Teilnehmer schmerzfreier deren Transformation.
 
Das ITM sieht in beiden Mediations-Leitbildern nicht, wie BUSH / FOLGER, ein "Entweder-Oder".
Die transformative Vision von Bush/Folger kann mit dem Harvard-Verfahrensweg und der aktiveren Präsenz des Mediators von den Mediationsteilnehmern verständiger akzeptiert und effizienter realisiert werden.
Das Harvard-Konzept kann, wenn es die Zielgrößen der Transformativen Mediation und ihr Menschenbild zu integrieren versucht, seine Lösungskompetenz erweitern. Die Verschiedenheit beider Leitbilder wird durch Ergänzung zur Bereicherung. Das ITM sieht in beiden Mediations-Leitbildern Ansätze, die, sogar zeitnah, in eine Verschmelzung führen könnten, die der Mediationsqualität dient.


Ihr persönlicher Vorteil und Nutzen, wenn Sie sich mit Transformativer Mediation und Mediativem Handeln befassen und in Ihr Leben mit hineinnehmen
  • Sie aktivieren ihre "stillen Reserven" und Talente und bauen Ihre kommunikativen Qualitäten aus. 

  • Sie können mit einem praxisbewährten Instrumentenkoffer Konflikteskalationen verhindern und Eskalationen entflechten. Sie haben mehr Möglichkeiten bei der Beantwortung komplizierter Fragen.

  • Sie gewinnen neue berufliche und soziale Kompetenzen und eröffnen neue Handlungsspielräume im Spannungsfeld zwischen den Konfliktbeteiligten.

  • Sie erweitern Ihre Steuerungsfähigkeit in komplexen Gesprächs- und Konfliktsituationen und fördern konstruktive und kooperative Gestaltungs- und Entscheidungsprozesse.

  • Sie unterstützen alle Konfliktbeteiligten, in einem klar strukturierten Vorgehen (Einfachheit ist eine Meisterschaft), eigenverantwortlich tragfähige Win-Win-Lösungen zu erarbeiten und Sie machen die konstruktiven Wirkungen eines Konflikts erfahrbar.

  • Sie ermöglichen eine neue, beziehungsschonende Umgangs- und Begegnungskultur und erfahren neue Perspektiven und Chancen auch zur eigenen Transformation.
     

III. Mediatives Handeln – ein nachhaltiger Paradigmenwechsel in uns.

Frage: "Mediation etabliert sich immer mehr in der Gesellschaft. Aber was dürfen wir uns unter Mediativem Handeln vorstellen?"
 
Gattus Hösl: "Mediativ handelt, wer auch außerhalb einer Mediation, einfühlend, authentisch, wertschätzend und, falls nötig, systemische Zusammenhänge beachtend, gefühls- und bedürfnisorientiert kommuniziert. Er gewinnt an Souveränität und löst sich aus der Spirale des Vergleichs mit dem Anderen, dessen Sichtweise er gelten lassen kann.

Frage: "Was sind die Unterschiede zwischen Mediation und Mediativem Handeln im Einzelnen?"

Gattus Hösl:

  • "Mediation ist ein bewusst gewähltes Konfliktlösungsverfahren mit klarer Struktur und klarem Ablauf in sechs Phasen.
    Wer mediativ handelt, ist an dieses (sehr effiziente) "Korsett" nicht gebunden, er handelt immer auch situationsbedingt.
     
  • Der Mediator ist externer Dritter.
    Der mediativ Handelnde kann in Konflikte, Schwierigkeiten, Probleme,  selbst involviert sein.
     
  • Der Mediator ist neutral-allparteilich.
    Der mediativ Handelnde ist mit eigenen Interessen, Anliegen, Wünschen, Bedürfnissen/Gefühlen beteiligt.
     
  • In der Mediation geht es um fall- und problemspezifische Lösungen auch eventuell schon verfahrener Konflikte.
    Der mediativ Handelnde handelt auch konfliktpräventiv.
     
  • Der Mediator vermittelt in einem Verhandeln zwischen Anderen.
    Der mediativ Handelnde ist ein vermittelnder Mit-Verhandler.
     
  • Ein Mediator hat keinerlei Entscheidungsfunktion in der Frage, wie die Konfliktlösung inhaltlich aussieht.
    Ein mediativ Handelnder ist an Inhaltsentscheidungen mitbeteiligt."


Frage: "Was sind Gemeinsamkeiten?"

Gattus Hösl: "Gemeinsam ist beiden, dass ich bedürfniszentriert, einfühlend, authentisch und wertschätzend bin und systemische Zusammenhänge in mein Denken und Tun mit einbeziehe.
Das heisst zugleich: Jeder kann mediativ handeln und sich die Erfahrungen der Mediation zunutze machen. Das heisst auch: Handwerkszeug und Geisteshaltung der Mediation sind nicht nur professionellen Mediatoren vorbehalten. Sie sind für jeden von uns geeignet, mehr Umgänglichkeit miteinander zu erreichen und damit auch seine Persönlichkeit zu bilden. In der Transformativen Mediation und im Mediativen Handeln steht der ganze Mensch im Mittelpunkt, das heisst, ich muss vorbehaltlos auf seine Gefühle/Bedürfnisse schauen. Im Erfahren eigener Klarheit und Stärke (Empowerment) und im Erkennen und Geltenlassen des Anderen (Recognition) liegt eine verwandelnde Kraft: Soziales Lernen und moralisches Wachstum geschehen. Die Menschen können wieder besser miteinander kommunizieren. Wir können beziehungs-weiser werden und selbst die Veränderung sein, die wir in der Gesellschaft sehen wollen. Wer mediativ handelt, handelt stets ethisch und moralisch intakt und ist humaner präsent."

"Mediation muss zu einer Alltagskompetenz aller Menschen werden."
(Johann Galtung)

 

 

 

 

 

 

 

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